Ursula Goetze war mit dem von der Gestapo „Rote Kapelle“ genannten Fahndungsvorgang in das Visier der faschistischen Verfolger geraten. Der sich um Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen gruppierende Kreis von annähernd 120 Nazigegnerinnen und -gegnern aus ganz Deutschland und Europa wurde nach der Enttarnung verhaftet und viele von ihnen in Schnellprozessen zum Tode verurteilt. Sie mussten am 5. August 1943 in der Hinrichtungsstätte Plötzensee ihr noch junges Leben lassen. Am selben Tag starben in Plötzensee auch Hilde Coppi, Liane Berkowitz, Cato Bontjes van Beek, Eva-Maria Buch und Maria Terwiel eines gewaltsamen Todes. Auch sie werden zum Kreis um Harnack und Schulze-Boysen gezählt.

Im Ortsteil Karlshorst ist seit 1976 eine Straße nach Ursula Goetze benannt. In der Kreuzberger Hornstraße 3 erinnert seit 1987 eine Gedenktafel an die Antifaschistin. Auch eine Gedenkstein auf dem Gelände der Humboldt-Universität nennt ihren Namen u.a. mit denen von Arvid und Mildred Harnack sowie Liane Berkowitz.

 

Ursula Goetze (*1916 - †1943) 

Ursula Goetze wurde am 29. März 1916 in einer Berliner Kaufmannsfamilie geboren. Ihre Großeltern betrieben in Berlin ein Hotel. Sie besuchte das Lyzeum und die Städtische Höhere Handelsschule in Neukölln. Im Anschluss war sie als Stenotypistin bei einer Versicherungsfirma und beim Forschungsdienst der Reichsarbeitsgemeinschaften der Landbauwissenschaft beschäftigt.

Schon vor 1933 und noch als Schülerin kam sie zum Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) und wurde Mitglied der Internationalen Arbeiterhilfe (IAH). Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde sie kurzzeitig inhaftiert.

Ursula Goetze hatte Kontakt zu Neuköllner Kommunisten um Gertrud Rosemeyer, unterstützte Hilfsaktionen für rassisch und politisch Verfolgte und half beim Einschleusen illegaler Druckschriften aus der Tschechoslowakei.

In der Heilschen Abendschule machte sie die Bekanntschaft von Eva Rittmeister, Liane Berkowitz, Fritz und Hannelore Thiel, Friedrich Rehmer und Hans Coppi. Zusammen diskutierten sie unter der Leitung von Dr. John Rittmeister politische und philosophische Fragen. Im April 1940 begann Ursula Goetze an der Berliner Universität ein Philosophiestudium, freundete sich mit Werner Kraus an und stellte die große elterliche Wohnung für illegale Treffen zur Verfügung, an denen auch französische Zwangsarbeiter teilnahmen.

Mit Gleichgesinnten diskutierte sie dort über verbotene Literatur und hörte „Feindsender“. Diesen Aktivitäten blieben der Gestapo verborgen. Erst als sie sich im Mai 1942 gemeinsam mit Werner Kraus an der Zettelklebeaktion gegen die antisowjetische Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies" beteiligte sowie illegale Druckschriften verteilte, wurde die Gestapo im Zusammenhang mit dem Fahndungsvorgang „Rote Kapelle“ auf sie aufmerksam. Ende August 1942 reiste sie nach Köslin zu ihrer Schwester, um dort den für die Semesterferien geforderten Arbeitseinsatz im Kinderheim zu leisten.

Ursula Goetze wurde am 15. Oktober 1942 verhaftet, am 18. Januar 1943 vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und am 5. August 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet.

 Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

 

 

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